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Der Umzug von Berlin nach Kaliningrad (Переезд из Берлина в Калининград)
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- Erstellt: Freitag, 13. Februar 2026 15:49
- Zuletzt aktualisiert: Sonntag, 29. März 2026 16:33
- Geschrieben von Lothar Schlüter
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Umzug von Berlin nach Kaliningrad



Meine Flugzeugmodelle und Dioramen wechseln den Standort.
Wie entstand die Idee des Umzugs?
Im Monat März des Jahres 2019 traf ich mich wieder mit vielen bereits bekannten Modellbaufreunden in Bautzen, die ein gewisses Jubiläum markierte. Es handelte sich um die 10. Ausstellung und wie am Ende verkündet, um die vorläufig Letzte. Viele Aussteller waren damals mit einer enttäuschenden Haltung wieder nach Hause gefahren. Auch ich überlegte während der Heimfahrt wie man den Bautzener Gedanken „Modellbau-Ausstellung“ weiterführen könnte. Die Ausstellungen in Bautzen hatten mir gezeigt, dass es immer Initiatoren bedarf, welche die Organisation und Durchführung in Eigenverantwortung sicherstellen. Die Bautzener Freunde verfügten noch über das positive Moment, dass die männlichen Freunde ihre weiblichen Partner mit an Bord hatten. Sie, die weiblichen Ehepartner, sorgten für eine familiäre Atmosphäre und kulinarische Umrahmung.
Im Rahmen meiner vereinsgebundenen Aktivitäten hatte ich die Situation im September 2019, dass ich an einem Treffen teilnehmen konnte, wo ich mit Vertretern der Direktion des Russischen Hauses der Wissenschaft und Kultur in Berlin in der Friedrichstraße in Kontakt kam. Ganz spontan fragte ich damals an, ob das Haus Interesse an Modellbau-Ausstellungen hätte. Ich stellte die Überlegung in den Raum, dass es in den Räumlichkeiten des Hauses Dauerausstellungen mit kostenlosen Dauerleihgaben geben könnte. Man zeigte sich seitens der Direktion interessiert und so machte ich mich an die Arbeit, um eine Konzeption als Gesprächsgrundlage zu erstellen. Selbst in der Frage der personellen Begleitung war man bereit uns entgegenzukommen. Ebenfalls war man bereit, das Thema Arbeitsgruppe „Modellbau“ für Kinder und Jugendliche zu diskutieren. Ich war über diesen Entwicklungsstand natürlich hoch erfreut. Doch dann kam das Jahr 2020 mit der Corona-Pandemie. Die damit verbundenen Einschränkungen bremsten im ersten Moment alle bis dahin erfolgten Aktivitäten aus. Der Betriebsablauf im Haus wurde entsprechend eingeschränkt. Und wie es manchmal im Leben abläuft, geraten dann Dinge wieder in Vergessenheit. Es trat eine gewisse Funkstille ein.
Mit Beginn der militärischen Sonderoperation der Russischen Föderation in der Ukraine am 24. Februar 2022 wurde es dann schwierig in der Kommunikation mit meinen russischen Gesprächspartnern. An Ausstellungen mit sowjetischer-russischer Militärtechnik war erstmal nicht zu denken. Das Russische Haus der Wissenschaft und Kultur entwickelte sich immer mehr zur Zielscheibe westlicher Politprominenz und den Mainstreammedien. Die bis heute anhält und durch die Vereinigung von Flüchtlingen aus der Ukraine „Vitche“ ständig neu befeuert wird.
Für mich ergab sich die Erkenntnis, dass es auf absehbarer Zeit keine positiven Veränderungen geben wird. Doch Kamerad Zufall stand mal wieder auf meiner Seite.
In einer Kaffee- und Tee-Plausch Runde erhielt ich Kenntnis davon, dass es in der Russischen Föderation Museen gibt, welche Interesse an unterschiedlichen Exponaten haben, die aus dem Bereich Modellbau kommen. So lernte ich auch ehemalige Offiziere der Volksmarine der NVA (Nationale Volksarmee) der DDR kennen, die mit unterschiedlichen Museen in der Russischen Föderation sehr enge Kontakte pflegen. Da ich bereits mehrere Flugzeugmuseen hier in der BRD angeschrieben und angesprochen hatte, entschied ich mich in diese Richtung aktiv zu werden. Ich hatte beim Flugplatz-Museum Eberswalde-Finowfurt, das Flugplatz-Museum in Rechlin sowie in Welzow angeklopft und mehr Ablehnung erhalten als umgekehrt.
Durch meine Reisen in die Russische Föderation im Jahr 2024 bekam ich wieder intensiveren Kontakt zu russischen Freunden und Partnern. Eine hier nicht namentlich genannte russische Gesprächspartnerin informierte mich im Sommer 2023, dass sie mir einen Kontakt zu einem russischen Museum vermitteln wird. Anschließend war bei mir die Freude groß, als ich den ersten E-Mail-Kontakt mit einer zuständigen Mitarbeiterin des Museums hatte. Damit stand fest, dass ich meine vollständige Sammlung an das Museum in Kaliningrad übergeben werde.
Das Museum "world - ocean" in Kaliningrad
(zum vergrößern anklicken)
Wie aus dem Namen des Museums ersichtlich, handelt es sich vorrangig in der Exposition um die Ozeanologie unseres Planeten Erde. Es gibt aber auch einen Bereich Technik, wo Wasserfahrzeuge allgemein und Forschungsschiffe im Besonderen als Exponate präsentiert werden. Jetzt wird sich manch Besucher fragen: Was sollen in diesem Museum Flugzeugmodelle und Dioramen aus meiner Sammlung dort an Attraktivität entwickeln? Ich erfuhr durch das Museum, dass die Präsentation meiner Modelle an einem anderen Ort erfolgen wird. Für die Übergabe werden einzelne Exponate ausgewählt und als Freundschaftsprojekt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Zur Geschichte Kaliningrads gehört ihr früherer Name „Königsberg“. Aus dieser Zeit besteht noch ein altes Flugplatzgelände bei der Ortschaft Neuhaus. Dieses Gelände soll für das Museum „world-ocean“ erschlossen und für Ausstellungen genutzt werden.
Wie auf den Bildern zu sehen ist, gehört zum Museum nicht nur die moderne Architektur wie mit der Erdkugel gestaltet, sondern auch ein ausgemustertes Forschungsschiff mit dem Namen „Witjas“. Dieses Schiff wird vom Museum als Hotelschiff betrieben und bietet mir eine kostenlose Übernachtungsmöglichkeit.
Die Vorbereitungsphase
Meinen ersten Kontakt mit dem Museum erfolgte mittels E-Mail-Verkehrs. Ich lernte die Mitarbeiterin des Museums Alexandra G. kennen. Dabei stand die Präsentation meiner Modell-Collection im Mittelpunkt. Parallel musste ich mich darüber Gedanken machen, wie u. a. die Verpackung der einzelnen Modelle gestaltet werden kann; wie soll der Transfer organisiert werden und mit welchen Aktivitäten sind die zoll-technischen Abläufe zu gestalten? Fragen über Fragen standen plötzlich zur Beantwortung an.
Mit Alexandra vereinbarte ich telefonisch einen groben Zeitplan der Vorsah, dass ich das laufende Jahr 2024 für die Beschaffung der Verpackungen nutzen wollte und eine Zuarbeit für die Katalogisierung vorzubereiten. Gesundheitliche Einschränkungen zwangen mich zu längeren Pausen. In Kaliningrad zeigte man Verständnis für meine Situation. Zum Jahresende war ich dann wieder so weit genesen, dass ich die notwendigen Bestellungen für die Kartons sowie der Beschaffung von Styroporplatten und ausreichende Mengen an Luftpolsterfolie erledigen konnte. Mit Alexandra vereinbarte ich, dass wir im Februar 2025 die nächste Absprache zum Zeitplan abstimmen wollten.
Ich nutzte die Monate Januar bis April 2025 für die Verpackung meiner Modelle. Nachfolgend zeige ich in einer kleinen Bildergalerie einzelne Momente dieser Aktivitäten.
(zum vergrößern anklicken)
In den Monaten März/April 2025 bereitete ich mich auf die Thematik ZOLL vor. Ich hatte viel Zeit damit verbracht, dass ich im Internet angebotene Informationen einholte. Parallel nutzte ich meinen Kontakt zu einer russischen Spedition hier in Berlin, um mir notwendige Hinweise einzuholen bzw. geben zu lassen. Damit begann für mich ein kleines Geduldsspiel. Zwischen meinen ständigen Gastrollen bei den Medizinmännern versuchte ich schon Alternativen für den Transfer zu organisieren. So vergingen die Tage und Wochen im Jahr 2025 und meine Familie schaute bereits immer skeptischer auf die 13 Kartons, welche unsere Wohnqualität beträchtlich einschränkte. Die Kommunikation mit der ZOLL-Behörde erwies sich als ein Geduldsspiel und könnte auch als Stoff für eine Komödie herhalten. Im Oktober 2025 erhielt ich endlich die erforderlichen Dokumente. Sie bestehen aus 2 A4 Seiten mit vielen Cods und Zahlen und mit einer Gebühr von 87,00 € versehen. Eine Schenkungssteuer-Erklärung war inklusive, um das erforderliche ELSTER-Zertifikat vom Finanzamt zu bekommen.
Anfänglich überlegte ich mit meinen Freunden und Bekannten, dass wir den Transfer in eigener Zuständigkeit vorbereiten und durchführen wollten. Damit verbunden, ergab sich die Möglichkeit, dass ich die 13 Kartons in einem Depot zwischenlagern konnte. Dadurch bekam meine Glaubwürdigkeit innerhalb meiner Familie einen enormen positiven Schub. Zwischenzeitlich war ich gezwungen die Vitrinen zu verkaufen, da sie nicht als Bestandteil meiner Sammlung wegen der Sanktionen ausgeführt werden dürfen. Das Bundesamt für Materialprüfung … erteilte mir keine Genehmigung. In diesem Zusammenhang möchte ich hier auch nicht unerwähnt lassen, dass ich in der Kommunikation mit dem ZOLL permanent an die Sanktionen gegenüber der Russischen Föderation erinnert worden bin. Gegenüber der Generalzolldirektion in Dresden musste ich glaubwürdig versichern, dass meine Flugzeugmodelle nicht mit Antriebsaggregaten nachgerüstet werden können, da sie sonst als „Rüstungsgüter“ klassifiziert und damit nicht ausgeführt werden dürfen.
Im Januar 2026 änderte sich die Situation dahingehend, dass mein gewonnener Fahrer mit Transporter sich zurückzog und ich wieder neu kalkulieren musste, was den Transfer betraf. Letztendlich gelangte ich wieder bei der Spedition, die ich anfänglich für meine Auskünfte kontaktiert hatte. Damit wurde es noch einmal richtig spannend. Meine vorgelegten Unterlagen erwiesen sich als nicht sachgerecht für die Ausfuhranmeldung beim polnischen Zoll. Nachdem diese Hürde genommen war, schickte ich die kompletten Unterlagen nach Kaliningrad, damit das Museum den russischen Zoll die notwendigen Einfuhranmeldungen übergeben kann. Die Antwort aus Kaliningrad war wiederum überraschend. Der russische Zoll bemängelte die von mir angegebene Proforma-Rechnung, da die von mir ausgewiesene Geldsumme (ca. 1.500,00 EURO) zu niedrig angesetzt ist. Weiterhin wurde Fakten angeführt, die den Markenschutz russischer Produkte betreffen wie z. B. die Namen „ZiL“ und „Ural“. Von den Namen der einzelnen Konstruktionsbüros bei den Flugzeugmodellen erst gar nicht zu reden. Abschließend empfahl der russische Zoll dem Museum einen Gutachter hinzuziehen zu wollen. Damit drohte eine Situation der weiteren Verzögerung einzutreten, was den gesamten Ablauf nicht gerade befördert.
Der aktuelle Stand sieht so aus, dass meine Modell-Sammlung immer noch im Depot steht und wir auf das Okay aus Kaliningrad warten. Das Museum teilte mir heute per E-Mail mit, das man sich an das Außenministerium der Russischen Föderation gewendet hat und das Unverständnis darüber zum Ausdruck gebracht hat, wie von Seiten des russischen Zolls Barrieren aufgebaut werden.
Fortsetzung folgt!
Berlin, 29. März 2026 Lothar Schlüter







